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PROGRAMM 2024

FREITAG - 27. September

WIE IM HIMMEL SO AUF ERDEN

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14:30 Uhr | FILMPALAST BERNAU

In dem bayerischen Ort Buchendorf liegt das einzige russisch-orthodoxe Frauenkloster Deutschlands. Es wurde 2005 gegründet. Abgesehen von den traditionellen Heimatländern in Osteuropa und auf dem Balkan ist Deutschland das europäische Land mit der größten Zahl orthodoxer Christen, die während mehrerer Epochen zugewandert sind und ihre Kirche mitgebracht haben. Unter der Leitung von Äbtissin Maria leben dort 13 Nonnen internationaler Herkunft, die einer strengen hierarchischen Ordnung folgen. Als Dienerinnen Gottes entschwinden sie zunehmend der übrigen Welt, fast so, als wären sie bereits gestorben. Ein Symbol für diese Hinwendung ist ihre stets schwarze Kleidung. Der Schwerpunkt ihres klösterlichen Lebens liegt auf dem Gottesdienst, dem persönlichen Gebet und körperlicher Arbeit: in einer Bäckerei, Schneiderei, Stickerei sowie Buchbinderei. Außerdem bewirtschaften die Schwestern einen Gemüsegarten, sie pflanzen Kartoffeln, kümmern sich um Hühner und betreiben Bienenzucht. Neben diesen alltäglichen Arbeiten geht es für die Frauen darum, Pilger zu versorgen und den Fortbestand des Klosters zu sichern.

Entlang der wechselnden Jahreszeiten erzählt der Film in stillen Bildern vom streng geregelten Tagesablauf der Nonnen. Er führt uns ein in die Gedankenwelt der Protagonistinnen und zeigt die besondere Atmosphäre, die im Kloster herrscht, welches den Frauen als Zufluchtsort dient. Ein Kaleidoskop von Schicksalen, Begegnungen und Trennungen, das Einblicke in die Orthodoxie des 21. Jahrhunderts gewährt.

Genre: Dokumentarfilm
Länge: 77min
FSK: 6
Sprache: DE/RU
Untertitel: DE
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Daria Kuschev

Produktion
Michael Kalb Filmproduktion

michael-kalb.de

DIE TOTEN VÖGEL SIND OBEN

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16:00 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Regisseurin Sönje Storm öffnet in ihrem Film den Nachlass des Bauern Jürgen Friedrich Mahrt (1882-1940), der ihr Urgroßvater war. Er sah die Welt auf seine eigene, ganz besondere Weise. Im Ersten Weltkrieg wurde er für die Luftaufklärung zum Fotografen ausgebildet und an der Westfront eingesetzt. Nach seiner Rückkehr ab 1919 nutzte er die Kamera, um die Veränderungen in der Heimat, die menschlichen Eingriffe in die Naturlandschaften und den Rückgang der Arten zu dokumentieren.

Während der Recherche ist Sönje vor allem von den Fotografien ihres Urgroßvaters angetan. Neben ihnen besteht der Nachlass aus einem Tagebuch und den ausgestopften Präparaten, die „oben“ auf dem Dachboden auf ihre Wiederentdeckung warten. Jürgen Friedrich Mahrt sammelte die Tiere seiner Zeit und eröffnete 1928 in seinem Bauernhaus ein privates Naturkundemuseum. 350 konservierte Vögel, 3000 Schmetterlinge, Pilze, Käfer. Die Kollektion ist dokumentarisch, aber auch obsessiv und sogar irgendwie poetisch. Eine Vielzahl an Objekten, Schmetterlingskästen, Fotografien – über Stunden, wahrscheinlich sogar Monate, mit der Hand koloriert. Wer ist dieser Mann, der sich damals so viel Zeit genommen hat?

Genre: Dokumentarfilm
Länge: 85min
FSK: 0
Sprache: DE
Untertitel: EN
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Sönje Storm

Produktion
Sönje Storm

die-toten-voegel-sind-oben.de

GOOD NEWS

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18:00 Uhr | FILMPALAST BERNAU

In der Hoffnung auf einen internationalen Durchbruch als Journalist hat Leo sein Leben in Berlin hinter sich gelassen, um über eine geheime Rebellengruppe im Süden Thailands zu berichten. Zwischen den erfolglosen Bemühungen, tatsächlich Kontakte zu den Rebellen aufzubauen, lernt er den Einheimischen Mawar kennen, der ihm schließlich seine Hilfe anbietet. Mawar träumt von einer besseren Zukunft in Deutschland – Hoffnungen, die Leo nährt, um seine Unterstützung nicht zu verlieren. Doch die Recherchen gestalten sich langwierig und kräftezehrend, Leos familiäre Probleme und Geldsorgen nehmen zu. Um früher nach Berlin zurückreisen zu können, verfasst er schließlich eine Reportage, die teilweise erfunden ist. Als unerwartet ein Fotograf der Redaktion auftaucht, um die Rebellen abzulichten, gerät Leo in Erklärungsnöte.

Der Spielfilm des Erfurter Regisseurs Hannes Schilling untersucht die ethischen Grenzen von Medienschaffenden, die auf den Erfolg ihres Projekts angewiesen sind. Als Filmstudent war er bei einer Recherche angewiesen auf die Hilfe von Einheimischen, die sich dadurch in Gefahr brachten. Er begann, sich mit den Fragen auseinanderzusetzen, die sich nun auch in seinem Spielfilm wiederfinden: Wo beginnt, wo endet Freundschaft? Ist es eigentlich okay, die eigenen Privilegien auszuspielen? Mit einfachen Mitteln präsentiert sein Schwarzweiß-Film, wie die Suche nach Wahrheit scheitern kann. Er zeigt jedoch auch einen jungen Europäer, der versucht, die Fremde zu verstehen und zu erobern, aber wie viele nicht mehr weiterkommt – bis er selbst zum Ausbeuter wird.

Genre: Spielfilm
Länge: 80min
FSK: 12
Sprache: DE/EN
Untertitel: EN
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Hannes Schilling

Produktion
Jost Hering Filme

hannesschilling.com

AUF DER KIPPE

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18:00 Uhr | ALTE POST

Die Lausitz hat schon viele Veränderungen durchlaufen. Am östlichen Rand Deutschlands gelegen, fußte die regionale Identität und der Wohlstand von Generationen auf dem Braunkohleabbau. Nach der Wende wurden viele Betriebe abgewickelt, die Folgen prägen die Region bis heute. Mit dem Kohleausstieg steht die Lausitz nun abermals vor einem tiefen Einschnitt, eine zentrale Industrie und damit viele Arbeitsplätze werden endgültig wegbrechen. Das Schlagwort der Stunde lautet jetzt „Strukturwandel” – und eine ganze Region muss sich wieder neu erfinden.

Der Dokumentarfilm von Britt Beyer wirft einen sensiblen Blick auf die Menschen, die dort leben. Sie verbinden Erinnerungen, Ängste, Hoffnungen und Wünsche – und der unbedingte Wille, die Zukunft der Heimat aktiv mitzubestimmen. Im Zentrum steht die sächsische Stadt Weißwasser. Wir lernen den Oberbürgermeister kennen, der die Orte seiner Kindheit verschwinden sah und darum die Zukunft fest im Blick hat; die Umweltaktivistin, die für die Erhaltung von Waldgebieten kämpft; die Baggerführerin, seit über 30 Jahren im Bergbau beheimatet, die einen sanfteren Ausstieg fordert. Und der junge Facharbeiter rappt: “Gebt uns eine Zukunft, gebt uns ‘ne Perspektive …Kompetenzen vorhanden, die Fachkräfte sind hier.” 

Genre: Dokumentarfilm
Länge: 85min
FSK: 0
Sprache: DE
Untertitel: EN
freier Eintritt – Breitscheidstr. 11, Bernau

Ein Film von
Britt Beyer

Produktion
zero one film

zeroone.de/movies/auf-der-kippe

SCHLEIMKEIM - OTZE UND DIE DDR VON UNTEN

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20:00 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Der Dokumentarfilm porträtiert die thüringische Punkband „Schleimkeim“, die in der ehemaligen DDR ihre Wurzeln hat. Genauer gesagt: Im Schweinestall auf einem Bauernhof in Stotternheim bei Erfurt, der damals zum Proberaum umfunktioniert wurde. In den 1980er und frühen 90er-Jahren war die Gruppe bunt, laut und vor allem: unbeugsam. Während in der Bundesrepublik das selbsterwählte Außenseitertum von Punks höchstens provozierte, war es im Arbeiter- und Bauernstaat eine fast existentielle Entscheidung. DDR-Punk zu sein, konnte ganze Biographien zerstören. Der Film macht es sich zur Aufgabe, vor allem diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die dabei gewesen sind.

Doch wie ging es weiter, als mit der Mauer auch die alten Feindbilder fielen? Der Werdegang der Band wird mit dem Fokus auf Frontmann Dieter „Otze“ Ehrlich von ihrem Aufblühen bis zu ihrem Ende filmisch nachvollzogen. Vier Jahre dauerte die Dreh- und Produktionszeit. Dabei ist der Filmemacher selbst ein Wessi: Regisseur Jan Heck wurde 1991 in der Nähe von Tübingen geboren. Diese Distanz erlaubt ihm einen unbefangenen Blick auf seine Protagonisten und deren Zeit. Interviews mit verbliebenen Bandmitgliedern und Angehörigen, wiedergefundene Archivaufnahmen und der Besuch originaler Schauplätze erzählen vom Lebensgefühl einer Subkultur, das es so nicht mehr gibt. Gezeigt wird aber auch, wie der Rebell „Otze“ nach der Wende mit den neuen Realitäten der BRD zu kämpfen hatte und schließlich an ihnen zerbricht.

Genre: Dokumentarfilm
Länge: 96min
FSK: 12
Sprache: DE
Untertitel: –
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Jan Heck

Produktion
Kontrastfilm

arsenalfilm.de/schleimkeim

SAMSTAG - 28. September

JUGENDSEKTION

11:00 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Unter dem Motto Was würdest du verändern? konnten Kinder und Jugendliche aus Bernau und Umgebung eigene Kurzfilme einreichen. Die Filme werden hier in Kürze vorgestellt.

Genre: Sonderveranstaltung
Länge: 90min
FSK: 0
Sprache: DE
Untertitel: –
Ticket: freier Eintritt

BEI UNS HEIßT SIE HANKA

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13:15 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Auf der Suche nach ihren eigenen Wurzeln erkundet die Regisseurin Grit Lemke, geboren in der Niederlausitz, ein indigenes Volk in Deutschland: die Sorben. Sorbische Gebräuche und Namen waren eigentlich überall, doch das war ihr früher kaum bewusst. Jahrhundertelang entrechtet und schließlich als ethnische Minderheit offiziell anerkannt, suchen viele Sorben heute sowohl nach der eigenen als auch einer kollektiven Identität. Gar nicht so einfach, weil die Sprache und Kultur durch Diskriminierung und Assimilationsdruck verschüttgegangen ist. Sorben, das waren immer die anderen.

Doch bevor es zu spät ist, möchte eine neue Generation das nicht länger hinnehmen. Lemke drehte den ersten Film über, von und mit Sorben, die ihre Herkunft mühsam erfragen und erforschen müssen – bereit, sie sich wiederanzueignen. Jurastudentin Anna wird durch die Heirat mit Ignac zu einer sorbischen „Hanka“. Sie schließt sich dem Hof und der Familie ihres Ehemannes an, der sich für die sorbische Selbstbestimmung einsetzt. Die junge Künstlerin Hella definiert das Sorbischsein einfach neu: als alternativ, antifaschistisch und feministisch. Der ehemalige Hooligan Měto, der früher selbst Andersartige ausgegrenzt hat, krempelt sein Leben um, nachdem er seine sorbischen Wurzeln entdeckt. Was als Suche nach Herkunft, Muttersprache und Zugehörigkeit beginnt, wird zu einem sehr persönlichen und intimen Einblick in die Traditionen, Traumata und Träume eines Volkes. Mit seinen vielstimmigen Berichten und Einblicken ist der Film selbst Dokument sorbischer Zeitgeschichte – mit viel Empathie und großer Sensibilität.

Genre: Dokumentarfilm
Länge: 91min
FSK: 6
Sprache: DE | Niedersorbisch | Obersorbisch
Untertitel: DE | EN
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Grit Lemke

Produktion
IT WORKS! Film

neuevisionen.de

GEISTER

15:30 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Als David erfährt, dass sich sein Freund Andreas das Leben genommen hat, sind sie schon lange keine besten Freunde mehr. Eigentlich kannten sie sich kaum noch, seit David die alte Heimat an der deutsch-polnischen Grenze zurückgelassen hat, um nach Berlin zu ziehen. Und doch plagen ihn Schuldgefühle. Er reist zurück in das Dorf, in dem sie beide aufgewachsen sind, und die verlorenen Kontakte holen ihn ein. Was ursprünglich als Kurzbesuch für die Trauerfeier geplant war, entwickelt sich zu einer Auseinandersetzung mit einer zerrütteten Freundschaft. Als der verstorbene Andreas plötzlich als Geist auftaucht, den nur David sehen kann, versucht er zunächst, das Übernatürliche abzuschütteln. Doch es erweist sich als ebenso hartnäckig wie die Fragen, warum Andreas sich das Leben genommen hat, was seinen Geist noch in dieser Welt hält und ob David dabei eine Rolle gespielt hat.

Der Debüt-Spielfilm des Regisseurs Hans Henschel kreist um große Themen wie Schuld und Scham. Er möchte Bilder für die innere Leere finden, die man verspürt, wenn ein Mensch sich das Leben nimmt. Mit dem Geist von Andreas kehrt zwar die Freude zurück, die die Freundschaft der beiden Männer ausgemacht hat, er bringt jedoch auch die altbekannten Probleme mit. Hinter Davids Schuldfrage, ob er Andreas hätte retten können, versteckt sich ein Schmerz, der in die Leere hallen würde. Im Film trifft er auf einen Geist, auf ein Gegenüber. Schauspielerisch brillant erzählt der Film nicht nur vom Verlorensein der Freunde und Angehörigen nach einem Suizid, sondern vom Verlust der Heimat, eben auch der Heimat, die man einst in einem Menschen gefunden hatte.

Content Note: Dieser Film behandelt das Thema Suizid.

Genre: Spielfilm
Länge: 82min
FSK: 12
Sprache: DE
Untertitel: EN
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Hans Henschel

Produktion
MovieBrats Pictures

moviebratspictures.com

DER WUNSCH

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17:30 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Der Dokumentarfilm begleitet das Liebespaar Maria und Christiane über einen Zeitraum von zehn Jahren auf ihrer emotionalen Reise, sich einen Lebenswunsch zu erfüllen: ein gemeinsames Kind. Regisseurin Judith Beuth, Jugendfreundin von Maria, erzählt einfühlsam, wie das Paar dabei mit immer größer werdenden Herausforderungen umgeht. Die Hürden im Gesundheitssystem, die eigene biologische Uhr und die emotionalen Höhen und Tiefen, die das Paar erlebt, setzen ihre Beziehung mehr und mehr unter Druck. Über Jahre hinweg unternehmen beide immer neue Versuche, schwanger zu werden, recherchieren neue Möglichkeiten, probieren neue Techniken, stellen sich finanziellen Herausforderungen. Die querschnittgelähmte Maria zweifelt zunehmend, während Christianes Kinderwunsch unverändert stark bleibt.

Die sensibel gefilmte Beziehungsstudie lebt von der Nähe der Filmemacherin zu ihren Protagonistinnen. Die Regisseurin ist zugleich Freundin und Beobachterin, wodurch der Film zwischen Intimität und Diskretion eine feine Balance hält. Dazu gehören auch eingestreute Stimmungsbilder und von Maria animierte Strichzeichnungen, die die Erlebnisse der beiden Frauen illustrieren. Was, wenn ein großer Wunsch droht, zur Bürde zu werden? Offene, sogar humorvolle Gespräche zeigen immer wieder die aufrichtige Auseinandersetzung der beiden Frauen miteinander – ihr Ringen umeinander und um sich selbst. Doch wie lange kann man an einem Traum festhalten?

Content Note: Dieser Film behandelt das Thema unerfüllter Kinderwunsch.

Genre: Dokumentarfilm
Länge: 104min
FSK: 12
Sprache: DE
Untertitel: –
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Judith Beuth

Produktion
Kloos & Co. Ost

riseandshine-cinema.de

Berlin Utopiekadaver

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18:00 Uhr | DOSTO

Ein Taxifahrer fährt durch Berlin, er spricht über die Veränderungen und den Boom des Immobilienmarktes. Er ist Punk und eine bekannte Größe in der autonomen Szene. Die Stationen seiner Fahrt sind die verbliebenen Orte linksautonomer Subkultur – ehemals besetzte Häuser und das, was drumherum daraus geworden ist. Es ist das Jahr 2023: Die letzten Räumungen sind noch nicht verarbeitet und schon stehen die nächsten an. Das autonome Jugendzentrum „Potse“ muss den Schlüssel abgeben und die Verhandlungen um den „Köpi“-Wagenplatz laufen bereits. Die Stadt verliert zunehmend, was sie über Jahrzehnte ausmachte – die Nischen, in denen sich Menschen alternativ ausprobieren konnten, mit wenig Geld und großer Freiheit.

In den letzten Jahren wurden linksautonome Orte wie „Potse“, „Drugstore“, Liebig 34, Rigaer 94, „Meuterei“ oder der Wagenplatz „Köpi“ verdrängt, nicht selten sogar gewaltsam geräumt. In seinem Dokumentarfilm begleitet der Berliner Regisseur Johannes Blume die letzten Bewohnenden, die ihre Heimat an die Gentrifizierung verlieren. Wir bewegen uns durch ihren Alltag, auf Kundgebungen, Konzerten, KüFas (Küche für alle) und durch ihr Privat- und Berufsleben. Dabei bezieht der Film klar Stellung: Er ist in Perspektive und Umsetzung solidarisch; die Porträtierten stellen ihre Projekte selbst vor, ohne dass andere Stimmen hinzugefügt werden. Es gelingt ein einmaliger Zugang zu Orten und Menschen einer sonst eher verschlossenen Szene, die sich mit ihren Geschichten, Sichtweisen, Hoffnungen und Ängsten öffnen. Dabei ist ein Zeitdokument entstanden, das deutlich macht, wie die letzten Rückzugsorte den Räumungswellen zum Opfer fallen und sich eine rasant wachsende Stadt um ihre eigene Persönlichkeit bringt. 

Genre: Dokumentarfilm
Länge: 92min
FSK: 12
Sprache: DE
Untertitel: EN
freier Eintritt – Breitscheidstr. 43c, Bernau

Ein Film von
Johannes Blume

Produktion
Filmgalerie 451

filmgalerie451.de

SONNENPLÄTZE

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20:30 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Samuela verzweifelt an ihrem ausbleibenden Durchbruch als Autorin. Nachdem ihr Debütroman erneut abgelehnt wird und sie sich gezwungen sieht, zu ihrer Mutter zurückzuziehen, flieht sie stattdessen in das Familienferienhaus auf Lanzarote. In der Abgeschiedenheit der Insel will sie endlich ihren Roman fertig schreiben. Doch nicht nur ihr Bruder möchte sie unbedingt begleiten. Auch ihr Vater Jo, ein ehemaliger Bestseller-Autor, der das Haus nach der Scheidung an Sams Mutter abtreten musste, hat sich dort ohne deren Wissen eingerichtet. Mutter Sibylle hingegen möchte es verkaufen und reist mit ihrem neuen, jüngeren Lebensgefährten an, um die Besetzer vor die Tür zu setzen. Die längst überfällige, unfreiwillige Zusammenkunft der zerstrittenen Familie entwickelt sich in unvorhergesehene Richtungen – und Konflikte, die schon lange schwelen, beginnen langsam aber sicher zu eskalieren.

Als in der Abgeschiedenheit Lanzarotes niemand entweichen kann, kommt alles auf den Tisch. Dabei gelingt es, die Beteiligten in volle Fahrt zu versetzen, sie dabei aber immer mit dem nötigen Respekt zu zeichnen. Mit dem Coming-of-Age-Drama legt der Schweizer Regisseur Aaron Arens sein Regiedebüt ab. Auf humorvolle Weise erzählt der Film von der Kraft der Familie, so dysfunktional sie auch sein mag, und der Sehnsucht nach familiärem Zusammenhalt, sprich: nach einem Stück Heimat.

Genre: Spielfilm
Länge: 92min
FSK: 6
Sprache: DE
Untertitel: EN
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Aaron Arens

Produktion
Maverick Film

SONNTAG - 29. September

ELECTRIC FIELDS

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12:15 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Ein Mann verschwindet im Wald. Eine ganze Jahreszeit geht verloren. Liebende überwinden die Zeit. Kaum merklich verschieben sich die Regeln der Welt, unerklärliche Geschehnisse sorgen für einen ganz eigenen Zauber des Mysteriösen. In sechs tragikomischen Episoden erzählt der Schwarzweiß-Film von Figuren, deren Normalität auf seltsame Weise aus den Fugen gerät.

Mit einem kleinen Team und geringem Budget hat die Schweizerin Lisa Gertsch für ihren Debüt-Spielfilm als Produzentin, Autorin und Regisseurin zugleich agiert und dabei versucht, sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen und Einschränkungen als Chance zu nutzen. Über einen Zeitraum von anderthalb Jahren sind ergreifend poetische Bilder entstanden, die von Liebe und Sehn­sucht, von Einsam­keit, Trauer und Heiter­keit, von Unerklärlichem und Rätsel­haftem erzählen. Die einzelnen Episoden sind von einem leisen Humor durchdrungen und subtil miteinander verbunden, sie kommen ohne viel Sprache aus. Wir verstehen nicht genau, was hier eigentlich passiert und wie das alles zusammenhängt, die Melodie aber ist uns aus unseren eigenen Leben bestens vertraut.

Genre: Spielfilm/Experimental
Länge: 80min
FSK: 6
Sprache: DE
Untertitel: EN
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Lisa Gertsch

Produktion
Sabotage Filmkollektiv

vincafilm.ch

RESTORATION

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14:00 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Mehr als ein Jahrzehnt nach einem sexuellen Übergriff im Teenageralter kämpft die junge Detroiterin Sabrina Banks darum, über die Runden zu kommen. Sie leidet unter posttraumatischen Symptomen. Vor allem psychogene Anfälle, die sie die Kontrolle über ihren Körper verlieren lassen, berauben sie ihrer Freiheit. Ihr Vater Darnell, der eine Autowerkstatt betreibt, ist einer ihrer engsten Vertrauten. Jeden Tag stellt er sich als Fahrer zur Verfügung, um Sabrinas Wege zu ermöglichen. Zusammen mit ihrem Ehemann Tim versuchen die beiden Männer, Sabrina zu schützen, doch Schuldfragen rund um ihre Erkrankung beherrschen das Familiensystem.

Auf einer Reise lernte die österreichische Filmemacherin Gudrun Gruber den Vater Darnell Banks kennen, weil sie zufällig neben seiner Autowerkstatt geparkt hatte. Die beiden Familien befreunden sich, bis sie schließlich für den Dokumentarfilm, der Sabrina bei der persönlichen Aufarbeitung des Gewaltverbrechens begleitet, über fünf Jahre eng zusammenarbeiten. Ein zentrales Thema ist die Auseinandersetzung der Protagonistin mit den Orten, die noch immer mit ihren traumatischen Erlebnissen verbunden sind – sogenannte „Site Visits“ als Teil einer Trauma-Konfrontation. Der Film nähert sich den Themen Traumastörungen, Rassismus, Feminismus, er untersucht die Zusammenhänge zwischen psychischer Gesundheit und geschlechtsspezifischer Gewalt, zeigt aber auch die verschiedenen Versuche, dem Trauma zu entrinnen. Dabei kommt Sabrina, die Autorin und Aktivistin ist, selbst zu Wort – eine klare und starke Filmsprache führt uns ganz nah an sie heran. Es kann kein Allheilmittel gegen traumatische Ereignisse geben, dennoch gibt dieser persönliche Film Hoffnung.

CONTENT NOTE: Dieser Film behandelt das Thema sexualisierte Gewalt.

Genre: Dokumentarfilm
Länge: 72min
FSK: 12
Sprache: EN
Untertitel: DE
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Gudrun Gruber

Produktion
NEOSOLARIS Film

gudrungruber.com

ECHOES FROM BORDERLAND

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15:45 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Nahid ist ein entschlossenes 15-jähriges Mädchen aus Afghanistan, das nach der Machtübernahme der Taliban mit ihrer Familie geflohen ist. Ihr Ziel ist eine Zukunft in Deutschland, doch gestrandet ist sie zunächst an der bosnisch-kroatischen Grenze – in einem bosnischen Zeltlager im Wald. Zusammen mit anderen Geflüchteten planen sie jedes Mal aufs Neue „das Spiel“, den Versuch, die Grenze in die Europäische Union zu überqueren, der schon häufig gescheitert ist. Immer wieder werden sie von der kroatischen Polizei zurückgedrängt, teilweise unter Anwendung böser Gewalt, meist werden ihnen alle Gegenstände und Geld weggenommen. Einheimische kümmern sich um die Neuankömmlinge im Dorf: Ferida, eine 67-jährige bosnische Witwe, die mit ihrer eigenen vom Krieg gezeichneten Vergangenheit zu kämpfen hat, und Elvir, der am Ort einen Imbiss betreibt, stehen Nahid zur Seite. Über Generationen und Kulturen hinweg entwickeln sich allmählich bedeutsame Freundschaften.

Der Dokumentarfilm von Lara Milena Brose erweckt die raue Realität der EU-Außengrenzen zum Leben. Es ist ihr erster Langfilm, mit dem sie ausdrücklich ein „europäisches“ Publikum erreichen möchte, um die europäische Grenzkrise zu personalisieren. Als Mitbegründerin eines politischen Kollektivs engagiert sie sich mit ihren Reportagen gegen Krieg und möchte abstrakte Nachrichten in greifbare, emotionale Erlebnisse verwandeln. Neben diesen politischen Anliegen ist ein empathisches Doppelporträt zweier Seiten gelungen – der der Geflüchteten und der der bosnischen Dorfbewohner, die beide wissen, was es bedeutet, die eigene Heimat zu verlieren. 

Genre: Dokumentarfilm
Länge: 70min
FSK: 6
Sprache: EN | PS | DE
Untertitel: DE
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Lara Milena Brose

Produktion
Thomas Slatter & Felix Sommer

sommer-slatter.com

JENSEITS DER BLAUEN GRENZE

15:45 Uhr | ALTE SCHMIEDE LOBETAL

Die DDR im Sommer 1989: In der Luft liegt Aufbruchsstimmung, wenige Monate nach der Handlung des Films wird die Mauer fallen. Hanna gilt als talentierte Schwimmerin. Sie wird staatlich gefördert, um den Olympiasieg zu holen. Abseits des Schwimmbeckens verbringt sie ihre Freizeit mit Andreas, der seit jeher Probleme hat, sich in das DDR-System einzugliedern. Als er in einem Jugendwerkhof „sozialistisch umerzogen“ werden soll, beginnt er seine Flucht über die Ostsee zu planen. Hanna ist sich unsicher, wie sie reagieren soll. Lässt sie Andreas allein die 50 Kilometer lange Strecke schwimmen? Ohne ihre Hilfe und Erfahrung wird er es niemals schaffen. Schließlich entscheidet sie sich dafür, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen – verbunden nur mit einer dünnen Schnur ums Handgelenk.

Der Spielfilm der sächsischen Regisseurin Sarah Neumann ist die Literaturverfilmung eines gleichnamigen Romans von Dorit Linke. In gedämpften Farben erzählt er davon, wie die Ideologie eines Staates alles, was ihm nützt oder schadet, einverleibt. Dabei verzichtet er darauf, das Geschehen auf die Stasi-Thematik zu reduzieren oder als „Ostalgie“ zu verharmlosen, sondern bemüht sich um einen ambivalenten, vielschichtigen Blick auf seine Protagonisten. Besonders eindrucksvoll sind die Szenen der Flucht, die mitten in der kalten Ostsee gedreht wurden, um möglichst realistisch zu wirken. Schauspieler Willi Geitmann, der den Andreas spielt, bekam für seine Darbietung einen Preis als bester Nachwuchsschauspieler.

Genre: Spielfilm
Länge: 102min
FSK: 6
Sprache: DE
Untertitel: –
freier Eintritt – An d. Schmiede, Bernau

Ein Film von
Sarah Neumann

Produktion
Wood Water Films

across-nations.de

GERANIEN

18:00 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Theaterschauspielerin Nina lebt ein selbstbestimmtes Leben mit Mann und Kind in Amsterdam. Zur Beerdigung ihrer Oma reist sie in ihren Heimatort, in dem sie die Eltern und das Haus ihrer Kindheit nahezu unverändert vorfindet: ein kleines Örtchen am Ruhrgebietsrand, Reihenhaus, Garten – und natürlich Geranien. Sie ist eigentlich nur für einen Tag hier, doch der Beerdigungstermin muss verschoben werden. Alte Spannungen zwischen Nina und ihrer Mutter Konnie flackern wieder auf. Die liebevolle Oma, die sonst die Konflikte abzufedern vermochte, ist nun nicht mehr da. Dass Konnie mit der Trauerrede für die eigene Mutter hadert, fällt Nina zunächst gar nicht auf, sie ist mit der eigenen Karriere beschäftigt. Doch mit jeder erneuten Stornierung ihres Rückfluges lernt sie, sich ihren Eltern zu öffnen und diese wiederum in ihr Leben einzulassen. Das Auseinanderentwickeln familiärer Beziehungen und gleichzeitig die Bindung, die besteht: Das ist die Spannung, die der Film erzeugt und die er hält.

Ein Film von, mit und über Heimat. Der Debüt-Spielfilm von Regisseurin Tanja Egen war für sie selbst auch eine Rückkehr in ihr früheres Zuhause. Gedreht wurde in der Kleinstadt Holzwickede nahe Dortmund, wo die Wahlberlinerin aufgewachsen ist. Das professionelle Ensemble wurde durch Amateure aus der Region ergänzt, zum Beispiel stand Marion Ottschick, die die Mutter Konnie im Film spielt, vorher noch nie vor der Kamera.

Genre: Spielfilm
Länge: 83min
FSK: 6
Sprache: DE
Untertitel: EN
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Tanja Egen

Produktion
dffb Berlin

GOTTESKINDER

20:00 Uhr | FILMPALAST BERNAU

Die 17jährige Hannah und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Timotheus wachsen in einer streng evangelikalen Familie auf. Hannah lebt ihren Glauben mit Leidenschaft und einem starken Engagement in der Freikirche aus. Doch als sie sich in ihren neuen Klassenkameraden verliebt, werden die Dinge kompliziert, denn der rebellische Max bringt ihre fundamentalistische Welt gehörig ins Wanken. Timotheus entdeckt, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt. In der tiefen Überzeugung, dass seine Homosexualität gegen Gottes Willen verstößt und dem Wissen, dass er verstoßen würde, kämpft er gegen seine „unreinen“ Gedanken an. Er beschließt, sich in einem sogenannten „Seelsorge-Seminar“ von seinen homosexuellen Gefühlen „heilen“ zu lassen. Dem Fanatismus ihrer Eltern stehen die Kinder zunächst in nichts nach. Voreheliche und gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen sind für die orthodoxen Christen extrem sündhaft: Hannah will wirklich keusch in die Ehe und Timo auf gar keinen Fall schwul sein. Konfrontiert mit ihren Bedürfnissen, den Erwartungen ihrer Familie und Konventionen aus der Gemeinde, stehen die Geschwister vor einem Scheideweg.

Regisseurin und Drehbuchautorin Frauke Lodders war selber überrascht darüber, dass die evangelikalen Christen kein US-amerikanisches Phänomen sind, sondern stattdessen auch in Deutschland immer mehr werden. Sie hat ein Jahr lang im Freikirchen-Milieu recherchiert, was man dem Spielfilm anmerkt: Er überzeugt durch eine große Glaubwürdigkeit. Das Porträt der streng evangelikal lebenden „Modellfamilie“ – ein strenger Vater, eine gefügige Mutter – ist ihr Debüt. Entstanden ist eine glaubwürdige Innensicht, bei der sich das Zuhause als zerstörerisch erweist.

Genre: Spielfilm
Länge: 107min
FSK: 6
Sprache: DE
Untertitel: EN
Ticket: 6€/4€

Ein Film von
Frauke Lodders

Produktion
Kinescope Film

die-wfilm.de/gotteskinder

*Sollten Sie sich in Ausbildung (Schule, Studium, Lehrstelle) befinden, im Ruhestand sein oder Bürgergeld empfangen, sind Sie für den ermäßigten Preis berechtigt . Bitte zeigen Sie ggf. an der Abendkasse den entsprechenden Nachweis vor.
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